Tag 178: Überflutung - Rette sich, wer kann!

Ich glaube, ich hatte heute mit Abstand die größte Panikatacke, seitdem ich hier bin. Wie gewöhnlich habe ich 7.30 Uhr angefangen zu arbeiten. Meine Gastmama ist mit E dann zum Arzt gefahren, während ich dafür verantwortlich war G zur Schule zu bringen. Kurz vor Abfahrt bin ich also hoch in mein Zimmer, um meine Tasche und so zu holen. Auf dem Rückweg nach unten hab ich nochmal einen Zwischenstopp im Bad eingelegt. War definitiv die falsche Entscheidung... Denn in jenem Moment, in dem ich die Toilettenspülung benutzte, hatte diese sich anscheinend überlegt, nicht einfach anzuhalten, nachdem genug Wasser nachgeflossen ist; nein, es floss munter weiter. Unaufhörlich. Im ersten Moment war ich noch fasziniert, wie viel Wasser so in die Kloschüssel fließen kann... Bis dann die Oberflächenspannung riss und mir klar wurde, dass das nicht mehr erstaunlich, sondern beängstigend ist. Immer mehr Wasser quoll aus der Toilette, aus dem sich ein kleiner See auf meinem Badezimmerboden bildete. Natürlich hatte ich die Schrecksekunde dann auch überwunden und kam mit Handtüchern bewaffnet zurückgeeilt, um meinen Teich davon abzuhalten, sich in einen Fluss zu verwandeln, der sich auf den Weg zu meinem Zimmer macht. Von unten hörte ich plötzlich G's verzweifelte Stimme, die völlig verwirrt in unserem Eingangsbereich stand (welcher sich im Übrigen genau unter meinem Bad befindet) und sich wunderte, warum es in unserem Flur regnet, obwohl doch draußen die Sonne scheint... Ihr könnt euch denken, was los war. Irgendwo in meinem Badezimmerboden scheint es Löcher zu geben, die mit der Decke im Flur verbunden sind. Ich rannte also die Treppe runter und stand vor drei Wasserfällen, die wie eine Dusche aus den Deckenlampen strömten. (Ich ärgere mich gerade soooo sehr, dass ich davon kein Foto gemacht habe. Wenn ich das jetzt so sehen würde, wäre das sicher ein witziger Anblick, obwohl mir in dem Moment eher nicht so zum Lachen zumute war.) Ich wusste gar nicht, was ich zuerst tun sollte. Einerseits wurden hier weitere Unmengen an Handtüchern sowie Schüsseln gebraucht, andererseits musste ich die Überflutung im oberen Stockwerk auch aufhalten, und am wichtigsten: ICH MUSSTE HERAUSFINDEN, WIE ICH DAS WASSER STOPPEN KANN! Also hab ich G beauftragt, Handtücher zu besorgen, während ich wieder hochgesprintet bin, um meine Gastmama anzurufen. Glücklicherweise ging sie auch sofort ran und hat mich in meinem panischen Zustand erstmal beruhigt, sowie eine Lösung für das Problem gefunden. Hinter der Toilette befindet sich ein Schlauch mit einem kleinen Hebel, mit dem man das Wasser abstellen kann. Ja gut, hätte man sich fast denken können, aber in Stresssituationen ist der Kopf ausgeschaltet. Über sowas habe ich auch noch nie in meinem Leben nachgedacht. Ich meine, wer ahnt denn, dass man gleich mal das Haus unter Wasser setzen könnte, sobald man die Klospülung benutzt...
Die erste Sorge war ich also schonmal los. Nachdem ich nochmal meine Staumauer aus Handtüchern gefestigt und kontrolliert habe, ging es also wieder nach unten. G hat in der Zeit ganz stolz vier Geschirrhandtücher auf dem Boden verteilt, die ungefähr... gar nichts aufgesaugt haben, haha. Aber der Wille zählt ja. Ich hab dann mit G's Hilfe zwanzigtausend Badehandtücher in die riesigen Pfützen geschmissen und jeweils einen großen Behälter unter die Wasserströme gestellt. Viel mehr konnten wir in dem Moment auch nicht tun. Mittlerweile waren wir auch echt spät dran, um zur Schule zu kommen. Also nur schnell nochmal die Socken gewechselt und das Wasser Wasser sein lassen. Als ich die Tür hintermir zumachte, schaute mich die Kleine so an und meinte "Hey Josi, we were a good team!!" - hahaha. Ich hätte mir definitiv was schöneres unter Teamwork vorgestellt, aber prinzipiell hatte sie schon recht. ;)
Als ich zurückkam, ist dank der Schwerkraft auch schon alles aus meinem Bad abgeflossen. Die Schüsseln waren voll und aus den Lampen tröpfelte es nur noch... fast schon beruhigend. Naja.
Ich war dann also heute den Rest des Tages damit beschäftigt, Handtücher zu waschen. E kam so gegen Mittag vom Arzt zurück (Er muss noch den ganzen Rest der Woche Zuhause bleiben...) und wir haben gemalt, so ein Modellmotorrad zusammengebastelt, Mathe geübt und sonen Kram. Um 3 haben wir seine Schwester abgeholt und einen schönen gemeinsamen Nachmittag verbracht. Es wurden Spiele gespielt und Brownies gebacken. Da hatte ich fast schon wieder vergessen, wie stressig der heutige Morgen war.

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