Tag 125: Hi Boston, nice to meet you!

Unser Ausflug ging schonmal gut los - nämlich mit einem freitagnächtlichen in-der-Kälte-Stehen für mehr als eine Stunde. Man soll normalerweise ca. 30 Minuten vor Abfahrt da sein, um sich sicherheitshalber an die Schlange anzustellen, die sich bildet, damit man nicht die bescheidensten Plätze abkriegt. Haben wir auch gemacht, aber zu allem Überfluss hatte der Bus dann fast eine dreiviertel Stunde Verspätung. Das einzig Gute daran war der Fakt, dass wir dadurch statt 5.15 Uhr erst gegen 6 in Boston ankamen und somit immerhin Starbucks schon geöffnet hatte. Frühstück war also gesichert. Wir haben dort auch locker erstmal zwei Stunden gesessen und versucht, wach zu werden. So richtig fähig für irgendwas fühlten wir uns eigentlich nicht. Die Busfahrt war ungefähr so erholsam wie eine Partynacht bis zum Sonnenaufgang. Schlafen war eher nicht so... Dafür Hitzewallungen abgewechselt von Kälteschauern, geschwollene Füße und zwei unangenehme Zwischenpausen, bei denen sich tatsächlich Menschen mitten in der Nacht einen Snack von McDonalds geholt und den Bus mit Chicken-BBQ-Geruch verpestet haben. Aber irgendwie ging diese Horrorfahrt vorbei und Kaffee + Schoko-Croissant haben die Laune wieder etwas gesteigert. Gegen 8 habe ich dann doch meine Motivation hervorgekitzelt und meine Begleitung, Sara und Karsten, davon überzeugt, unsere City-Tour zu starten. Ich hab ja vorher einen kompletten Plan für den Tag ausgearbeitet, und wollte mein Konzept ungern über den Haufen werfen... Mittlerweile stand die Sonne auch schon recht weit oben und die Müdigkeit war vorerst verflogen. Unsere erste Anlaufstelle war das North End. Dieser Stadtteil von Boston ist nichtmal einen Quadratkilometer groß und trotzdem befinden sich auf dem kleinen Fleckchen um die 100 Restaurants. Wir sind hier eigentlich immer nur dem Freedom Trail gefolgt; eine historische Route, die sich 4km lang durch die ganze Stadt zieht und an 17 Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Wir wollten es mit der Geschichtsexkursion aber nicht übertreiben und sind auf diesem Pfad, der als rote Linie auf dem Boden erkenntlich ist, wie gesagt nur im North End langgelaufen. Dort kamen wir dann beispielsweise an der Old North Church (ältestes noch aktives Kirchengebäude Bostons) vorbei und am Copp's Hill Burying Ground (einer der ältesten Friefhöfe der USA), welcher wirklich ein wenig unheimlich war. Damit hatten wir Teil 1 meiner Liste abgearbeitet und da wir am Anfang so rumgetrödelt hatten, war es auch schon Zeit für unsere Whale Watching Tour. Diesen Bootstrip hatten wir ja im Voraus gebucht und es wurde eigentlich gesagt, dass es so dreieinhalb Stunden dauert. Nun ist aber mittlerweile schon das Ende der Saison und die Wale ziehen immer weiter weg, wodurch auch das Boot ein Stückchen weiter fahren müsste und schlussendlich waren wir tatsächlich insgesamt 5 Stunden unterwegs. Aaaaaaaaber es hat sich sowas von gelohnt!! Eine ganze Stunde lang konnten wir vom Deck aus 4 Wale beobachten. Davon waren zwei sogar Mutter und ihr "kleines" Kind. Man hat zuerst immer nur die Fontänen gesehen, dann ragten die Rücken aus der Wasseroberfläche heraus und in dem Moment wo sie wieder eintauchten, zeigten sie ihre mächtigen Hinterflossen. Und wir hatten sogar das Glück, einen Wal zu sehen, der richtig hochgesprungen ist, sich in der Luft gedreht und dann wieder ins Wasser knallen lassen hat. Ich hab leider nur ein Foto von der riesigen Wasserfontäne, aber Karsten hat alles auf Video. Muss ich mal gucken, ob ich euch das irgendwie zeigen kann, sobald ich es auch hab. War schon atemberaubend. Da hat man wirklich erst, nachdem die Wale weg waren, realisiert wie unglaublich kalt und windig es eigentlich an Deck war! Durchgefroren und mit tauben Händen haben wir die Rückfahrt unter Deck verbracht. Nachdem diese ganze Anspannung und Aufregung vorbei war, holte uns auch die Müdigkeit wieder ein und da kam es eigentlich sogar ganz recht, dass wir statt 13.30 Uhr erst nachmittags um drei zurückkommen sollten. So blieb immerhin nochmal die Möglichkeit für ein kleines Nickerchen. Unser verspätetes Mittagessen fanden wir dann im Quincy Market. Den kann man sich so vorstellen wie den Reading Terminal Market von Philly, nur dass sich alle Stände in einem langen Gang hintereinander befinden, statt verteilt in einer Halle, was das Durchkommen um einiges erschwerte, da sich am Nachmittag dort Menschenmassen tummelten. Da hatte ich ja kurzzeitig schon wieder schlechte Laune, was sich aber kurz darauf legen sollte. Draußen auf der Straße saßen nämlich zwei Typen jeweils mit Sticks "bewaffnet" und hatten mehrere umgedrehte Plastikeimer vor sich stehen, auf denen sie rumgetrommelt haben. Auf sowas steh ich ja immer total und dann ging's mir wieder besser. Wir sind dann durch den Boston Common bzw. Public Garden (zwei richtig schöne Parks) und das anschließende Beacon Hill Viertel (eine ganz süße Nachbarschaft, die ganz besonders an London erinnert hat, da teilweise auch gleiche Straßennamen verwendet wurden) spaziert. An der nächsten Bahnstation sind wir in die Subway nach Cambridge eingestiegen. Leider wurde es mittlerweile schon dunkel, aber für ein Foto mit Onkel Havard auf dem Campus hat es noch gereicht. Viel mehr gibt es dort eigentlich auch nicht zu sehen; es ist halt ein Uni-Gelände. Und ich war einmal in meinem Leben da. Genügt. ;)
Eigentlich hatte ich für den späteren Abend noch das Prudential Center geplant gehabt. Das ist das zweithöchste Gebäude in Boston und man kann halt wie auf den Berliner Fernsehturm auf so eine Aussichtsplattform hochfahren. Wäre sicher nicht schlecht gewesen, aber unsere Füße wollten uns eigentlich nirgends mehr hintragen. Wir sind dann zurückgefahren und haben noch bei einem Thailänder Abendbrot gegessen, ehe es schon wieder Zeit war zum Busbahnhof zu laufen.

Es ist jetzt kurz vor Mitternacht, der Bus ist weitaus leerer als auf der Hinfahrt. Sara und ich teilen uns die allerhinterste Fünfersitzbank. Mit ein bisschen Kuscheln kann ich mich also sogar langlegen. Noch ne Folge Bibi Blocksberg eingeschmissen und dann wird das sicher diesmal was mit dem Schlaf. Wird auch Zeit, in knapp 5 Stunden sind wir nämlich schon wieder in Philly. Na dann, tschau miau!

 

(Fotos sind auch im Anmarsch!!!)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0