Tag 33: Philadelphia 2.0 und Balsam für die Seele

Nachdem ich heute früh die Kids ins Camp geschafft habe, bin ich fix wieder nach Hause gedüst, habe meine Sachen zusammengesucht und bin dann mit Marie nach Philadelphia gefahren. Wir müssen hier nämlich sone dämliche Social Security Nummer beantragen (das dürfte ungefähr mit unserer deutschen Lohnsteuerkarte vergleichbar sein), da wir ja ein Einkommen haben und somit auch Steuerzahler sind. Im Prinzip wird einem niemand hinterherrennen, man muss es also nicht zahlen. Allerdings kann es sein, dass man später nicht wieder in die USA einreisen darf, denn Steuerhinterziehung ist eine der ersten Sachen, nach denen gefragt wird, wenn man ein Visum beantragt. Und wer weiß, ob ich jemals nochmal zurückkommen will, um hier zu arbeiten oder sonst was. Außerdem sind es wahrscheinlich nur irgendwas um die 150$, also weniger als ein Wochenlohn. However. Wir sind jedenfalls um 10 Uhr in den Zug gestiegen, waren gegen halb 11 im zwanzigsten Stock des Penn Centers am John F Kennedy Boulevard und haben erstmal ne schöne Nummer gezogen, auf deren Aufruf wir ne halbe Stunde warten durften.

Nachdem der ganze Papierkram dann endlich erledigt war, hab ich von Marie eine kleine Führung gekriegt zu wichtigen Sehenswürdigkeiten von Philly. Sie hat ne super Orientierung - im Gegensatz zu mir, haha - und ich hab's genossen, mir keine Gedanken darum machen zu müssen, wie ich wo hin- und vor allem auch wieder zurückkomme. Wir waren bei der City Hall, der Liberty Bell, Independence Hall und auf dem Reading Terminal Market; das ist ein riesiger Food Corner mit Essen aus aller Herren Länder. (Und ich habe dort sogar Brot entdeckt, das so aussah wie unser gutes altes Krustenbrot... Ich glaube das teste ich demnächst mal.) Mittagessen haben wir uns dann aber woanders geholt, weil wir mit der ganzen Auswahl auf dem Market überfordert waren. Nach unserer Lunchpause sind wir zum Magic Garden gelaufen. Schaut euch einfach die Fotos an, dann muss ich mich nicht der unmöglichen Aufgabe stellen, das in Worte zu fassen. War schon sehr beeindruckend!

Danach mussten wir uns leider so langsam schon wieder auf den Heimweg machen, da ich ja nachmittags arbeiten musste. Auf unserem Weg zur Trainstation hat uns an einer Ampel auf einmal ein jüngerer Mann angesprochen und gefragt, wo wir herkommen - aber erstaunlicherweise auf deutsch mit einem kleinen amerikanischen Akzent. Am Ende hat sich herausgestellt, dass er hier Deutsch studiert hat und als Dirigent, Klavierlehrer und Kellner arbeitet. Etwas außergewöhnlich, aber naja. Er war jedenfalls sehr sympathisch und sein Deutsch war extrem gut, obwohl er noch nie in Deutschland war. Wie der Zufall es wollte, musste er denselben Zug nehmen wie wir und so haben wir uns noch ein bisschen über Eigenheiten der deutschen Sprache unterhalten. Er hat sich dann über unser Imbissbudendeutsch lustig gemacht. Für alle, die nicht wissen, was gemeint ist; Schaut euch bitte folgendes Video an: 

http://www.youtube.com/watch?v=cYH60NCCdLM

- Soviel dazu.

 

Und nun noch zur Erklärung des zweiten Teils des Titels dieses Tages: Wieder zu Hause hatte ich dann einen schönen Nachmittag nur mit G, weil E bei einer Geburtstagsfeier war. Sie hat es richtig genossen, Zeit mit mir allein zu verbringen und wir haben kleine Lernspiele gemacht, gepuzzelt und gemalt. Irgendwann, völlig ohne Zusammenhang, schaute sie mich an und fragte: "Josi? Are you gonna stay forever?" Ich habe sie daraufhin gefragt, ob sie das denn schön fände, wenn ich für immer bleiben würde. Ihre Antwort: "Yes, until I die!" Ich hab ihr dann erklärt, dass ich leider nicht bis an ihr Lebensende bei ihr bleiben kann... Und dann kamen sie zum ersten Mal - die drei Worte, auf das jedes Au Pair mehr oder weniger lange, manchmal auch vergeblich, warten muss:

"But Josi, I love you."

Kommentar schreiben

Kommentare: 0